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Entwicklungstendenzen in der europäischen Flusskreuzfahrtbranche
Der europäische Flusskreuzfahrtmarkt hat seit den neunziger Jahren eine enorme Entwicklung zurückgelegt. Als Flusskreuzfahrt bezeichnet man im Unterschied zur Tagesschifffahrt eine Flussreise mit Übernachtung in Kabinen an Bord.
Viele Gäste haben die Vorteile und Annehmlichkeiten von langsameren und leiseren Formen des Reisens und der Erholung entdeckt.
Die Passagiernächte des deutschsprachigen Marktes stiegen allein in der Kabinenschifffahrt von gut 800.000 im Jahre 1996 auf zuletzt über 2,6 Millionen in der vergangenen Saison des Jahres 2005. Die Umsätze der Reiseveranstalter stiegen parallel von rund 100 Mio ¤ in 1996 auf über 370 Mio ¤ zum Saisonende 2005.
Dass hier, trotz positiver Entwicklung, noch ein gewaltiges Tourismuspotential schlummert, beweist die Tatsache, dass in Deutschland gerade erst 0,3 % der Reisenden diese Urlaubsform wählen.
Gerade auch ausländische Gäste, vornehmlich aus England und den USA, bereisen Europa und Deutschland per Schiff. Ausländische Reiseveranstalter chartern verstärkt Schiffe deutscher Reedereien. Die Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals war hier nicht nur für den Frachtverkehr von großer Bedeutung. Gäste aus Übersee bekommen somit in nur zwei Wochen durch die Reise von Amsterdam bis Wien über Rhein, Main und Donau einen interessanten Einblick in ein modernes Europa, wobei der größte Teil der Strecke durch Deutschland führt.
Hier wiederum profitieren Reedereien, Werften, Schiffszulieferer, Gastronomie- und Hotellerielieferanten, ausgebildete Fachkräfte, Incoming-Agenturen und weitere touristische Leistungsträger von der Entwicklung.
Aufgrund neuer Bauverordnungen, steigender Betriebskosten der Reedereien und parallel sinkender Tagesraten sowie der geplanten Erhöhung der MwSt. wirkt sich dieser Trend bei den Schifffahrtstreibenden jedoch eher umgekehrt aus. Insbesondere die steigenden Treibstoffkosten als auch die stetig wachsenden Versicherungsprämien belasten das Betriebsergebnis zunehmend. Hoch- und Niedrigwasser bergen zusätzlich schwer kalkulierbare Risiken.
Im Interesse einer harmonischen Entwicklung nationaler und internationaler Reedereien, aus Kabinen- und Tagesschifffahrt, deren Partner und Leistungsträger sowie wachsender Tourismusströme von, nach und innerhalb Deutschlands begrüßt die Branche den regen Austausch mit Politikern und Behörden zur adäquaten Entwicklung der rechtlichen und infrastrukturellen Grundlagen außerordentlich.
Die Kontakte zu Institutionen aus Verkehrs- und Tourismuspolitik, sowie den Wasserstraßenverwaltungen können gerade in Deutschland als sehr gut bezeichnet werden. Ein regelmäßiger Austausch von Informationen sowie die enge Zusammenarbeit sind für beide Seiten bei der wachsenden Bedeutung der gesamten Kreuzfahrtbranche höchst wichtig und werden positiv aufgenommen.
Parlamentarischer Abend
Gemeinsam mit dem Bundesverband der deutschen Binnenschiffahrt e.V. (BDB) hat die IG RiverCruise, Interessengemeinschaft der führenden europäischen Flusskreuzfahrtreedereien, die Mitglieder des Ausschusses für Tourismus des Deutschen Bundestags und die Sprecher der Parlamentarischen Gruppe Binnenschifffahrt sowie Vertreter aus Bundesministerien und Wirtschaft zu einem Parlamentarischen Abend „Fahrgastschifffahrt“ am 17. Mai 2006 in Berlin eingeladen.
Im Rahmen einer abendlichen Schifffahrt durch die Hauptstadt wurde die Chance genutzt, Parlamentariern der Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP, DIE LINKE und Bündnis 90/Grüne durch Beiträge zu den Themen „Ausbau und Infrastruktur der Binnenwasserstrassen“, „Europaweite Harmonisierung nationaler Vorschriften“, sowie „Steuer- und Wettbewerbsrechtliche Voraussetzungen“ die wichtigsten Grundlagen und Bedingungen für eine positive Entwicklung dieses Tourismuszweiges näher zu bringen.
Insbesondere durch den Beitrag von BDB-Vorstandsmitglied Norbert Schmitz, Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt AG, wurde deutlich, dass der positive Einfluss der Branche der Tages- und Flusskreuzschifffahrt auf die Tourismusentwicklung von, nach und innerhalb Deutschlands nur dann Bestand haben kann, wenn bei ohnehin wachsenden Belastungen durch hohe Treibstoffkosten, Versicherungsprämien und neue Bau- und Umweltvorschriften zumindest der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent auf die Personenbeförderung mit Schiffen weiterhin Bestand hat.
In einer abschließenden Diskussionsrunde zog neben Vertretern aller Fraktionen auch die Vorsitzende des Ausschusses für Tourismus des Deutschen Bundestags, Marlene Mortler (CDU/CSU), eine positive Bilanz des Parlamentarischen Abends und sagte eine intensive Prüfung der Anliegen des Gewerbes zu.
Die Branche begrüßte den regen Austausch mit deutschen Politikern und Behörden zur adäquaten Entwicklung der rechtlichen und infrastrukturellen Grundlagen außerordentlich und nahm das ausgesprochene Angebot zu weiteren Kontakten und gemeinsamen Treffen dankend an.


